{"id":10051,"date":"2016-06-28T11:03:38","date_gmt":"2016-06-28T09:03:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gymnasium-rhauderfehn.de\/?p=10051"},"modified":"2016-06-29T13:49:22","modified_gmt":"2016-06-29T11:49:22","slug":"inscriptio-mensis-iulii-inschrift-des-monats-juli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gymnasium-rhauderfehn.de\/?p=10051","title":{"rendered":"Inscriptio Mensis Iulii &#8211; Inschrift des Monats Juli"},"content":{"rendered":"<p>Der Juli ist tats\u00e4chlich nach Gaius Iulius Caesar benannt. Wie kam es dazu?<\/p>\n<p>Jahrhunderte lang hatten die R\u00f6mer (und auch andere V\u00f6lker) versucht, einen Kalender zu berechnen, der mit dem Lauf der Erde um die Sonne zusammenpasste. Bis zu Caesars Zeit war es ihnen nicht gelungen.<\/p>\n<p>Im Jahre 46 v. Chr. war Caesar der m\u00e4chtigste Mann Roms, unter anderem war er auch der <em>pontifex maximus<\/em>, \u201eder h\u00f6chste Priester\u201c. Als <em>pontifex maximus<\/em> war er zum Beispiel auch f\u00fcr die Festlegung von Festtagen zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Also setzte Caesar ein Team von Experten ein, das vor allem aus Astronomen und Mathematikern bestand. Diese sollten endlich Ordnung schaffen. Und das gelang ihnen auch: Sie errechneten den heute noch g\u00fcltigen Kalender mit 365 Tagen im Jahr\u00a0und einem Schalttag alle vier Jahre Ende Februar.<\/p>\n<p><em>Iuli<\/em>us (<em>Juli<\/em>us)\u00a0Caesar zu Ehren wurde der neue Kalender <em>julianischer<\/em> Kalender genannt und\u00a0der r\u00f6mische Senat beschloss\u00a0Anfang 44 v. Chr., den Sommermonat, in dem der Herrscher Geburtstag hatte, nach ihm zu benennen. Vorher hatte der Monat einfach <em>Quinctilis (<\/em>= \u201eder f\u00fcnfte\u201c) gehei\u00dfen. Caesar erlebte seinen ersten Juli allerdings nicht mehr \u2013 er wurde 44. v. Chr. im M\u00e4rz ermordet.<\/p>\n<p>Die Inschrift des Monats findet man \u00fcber der Kirchent\u00fcr der katholischen Kirche St. Bonifatius in Rhauderfehn.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gymnasium-rhauderfehn.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/St-Bonifatius-lat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-10052 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.gymnasium-rhauderfehn.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/St-Bonifatius-lat-300x225.jpg\" alt=\"St Bonifatius lat\" width=\"383\" height=\"291\" \/><\/a><\/p>\n<p>Eine Tafel neben der Eingangst\u00fcr liefert praktischerweise auch gleich die deutsche \u00dcbersetzung mit:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gymnasium-rhauderfehn.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/St-Bonifatius-dt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-10053 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.gymnasium-rhauderfehn.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/St-Bonifatius-dt-225x300.jpg\" alt=\"St Bonifatius dt\" width=\"271\" height=\"357\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vielleicht kennt das\u00a0der oder die eine oder andere Lateinsch\u00fcler(in): Man l\u00e4uft mit der Familie oder Bekannten durch eine Stadt oder besichtigt ein Geb\u00e4ude, irgendwo gibt es eine lateinische Inschrift\u00a0&#8211; und einer der Begleiter spricht die erwarteten S\u00e4tze:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWas steht denn da? Du lernst doch Latein. \u00dcbersetz doch mal!&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die ber\u00fchmte \u201e\u00dcbersetz-doch-mal&#8220;-Situation. Und nur in seltenen F\u00e4llen kann man erleichtert auf solch eine Tafel mit einer deutschen \u00dcbertragung verweisen.<\/p>\n<p>Nachdem alle Versuche, diese Aufforderung zu ignorieren, gescheitert sind, versucht man es dann &#8211; und hat oft genug das Gef\u00fchl, das, was da steht,\u00a0sei irgendwie\u00a0gar kein Latein.<\/p>\n<p>(Aber den Versuch, die Inschrift mit \u201eDas ist gar kein Latein, glaube ich&#8220; beiseitezuschieben, l\u00e4sst der\u00a0Begleiter normalerweise nicht durchgehen &#8211; denn Altgriechisch und Hebr\u00e4isch haben andere Schriftzeichen und das, was ihm bekannt vorkommt, klingt schon irgendwie nach Latein &#8211; was sollte es denn auch sonst sein? &#8211; Eben. Und eine gewisse Ehre hat man als Lateinsch\u00fcler(in) ja auch zu verteidigen, also&#8230;)<\/p>\n<p>In der Tat\u00a0ist das Inschriften-\u00dcbersetzen manchmal schwierig, jedenfalls schwieriger als das \u00dcbersetzen \u201erichtiger&#8220; Texte. Das liegt unter anderem daran, dass Inschriften oft &#8211; wohl auch aus Kostengr\u00fcnden, denn je gr\u00f6\u00dfer die Steintafel und je umfangreicher die Steinmetzarbeiten, desto teurer &#8211; strotzen vor Abk\u00fcrzungen und Ellipsen (zum Begriff Ellipse: siehe Inschrift des Monats Mai).<\/p>\n<p>(Dazu stammen die Inschriften oft aus Zeiten, in denen kein ganz klassisches, an Cicero und eben Caesar orientiertes Latein gesprochen und geschrieben wurde, wie man es in der Schule lernt, sondern ein mit Besonderheiten versehenes Latein z.B. aus der Fr\u00fchen Neuzeit. Ein \u00e4hnliches \u201eH\u00e4?&#8220;-Erlebnis kann man auch bei deutschen Texten aus fr\u00fcheren Zeiten haben &#8211; man lese nur z.B. mal die Original-Bibel\u00fcbersetzung von Martin Luther oder alte Urkunden.)<\/p>\n<p>Das alles macht\u00a0es\u00a0dem\u00a0Inschriften-\u00dcbersetzer oft nicht leicht, das sei zu Verteidigung aller \u201e\u00dcbersetz-doch-mal&#8220;-Kandidaten gesagt. Abk\u00fcrzungen sind zudem oft so vieldeutig und individuell, dass manchmal wirklich Spezialwissen bei der \u00dcbersetzung notwendig ist.<\/p>\n<p>(Im Falle eines Falles also auf dem Smartphone diese Seite aufrufen und die letzten drei Abs\u00e4tze zur Verteidigung vorlesen, wenn man in die \u201e\u00dcbersetz-doch-mal&#8220;-Situation ger\u00e4t und gar nichts mehr geht&#8230;)<\/p>\n<p>Die Inschrift an der Kirche in Rhauderfehn ist da sehr leserfreundlich &#8211; kaum Abk\u00fcrzungen. (Und damit allerdings auch keine Ausreden! &#8211; Aber die \u00dcbersetzung h\u00e4ngt ja ohnehin neben der T\u00fcr, sodass die klassische \u201e\u00dcbersetz-doch-mal&#8220;-Situation\u00a0nicht eintreten d\u00fcrfte.)<\/p>\n<p>Das\u00a0<em>S.<\/em> vor <em>Bonifacii<\/em> bedeutet <em>Sancti<\/em>, also geht es um den Titel des \u201e<em>heiligen<\/em>\u00a0Bonifatius&#8220;. Das <em>E. <\/em>dahinter steht f\u00fcr <em>Episcopi<\/em>: \u201edes heiligen <em>Bischofs<\/em> Bonifatius&#8220;. Das <em>M.<\/em> steht f\u00fcr <em>Martyris<\/em>: \u201edes heiligen Bischofs <em>und M\u00e4rtyrers (=Blutzeugen<\/em><em>) <\/em>Bonifatius&#8220;.<\/p>\n<p>Wenn man das herausgefunden hat, l\u00e4sst einen die Ziffernreihe mit dem leicht aufzul\u00f6senden <em>Sept.<\/em> f\u00fcr den September und dem bereits aus der Inschrift des Monats Januar bekannten <em>A.D. <\/em>(<em>anno domini<\/em> = n. Chr.) \u00fcberlegen l\u00e4cheln (und erleichtert aufatmen).<\/p>\n<p>Zur inhaltlichen Erkl\u00e4rung des <em>M.<\/em> &#8211; was ist denn mit \u201eBlutzeuge&#8220; gemeint? &#8211; noch kurz die wichtigsten Eckpunkte aus der Biographie des Bonifatius, des Namensgebers der Kirche:<\/p>\n<p>673 wurde er als Winfrid in der englischen Grafschaft Wessex geboren. Mit 40 Jahren kam er nach ersten Eins\u00e4tzen im damals noch nicht christianisierten Friesland\u00a0als Missionar in den Osten des Frankenreiches. 718 pilgerte er nach Rom und erhielt dort im folgenden Jahr von Papst Gregor II. den Missionsauftrag f\u00fcr Germanien und den neuen Namen Bonifatius (auf deutsch: \u201eder Wohlt\u00e4ter&#8220;, aus dem Lateinischen <em>bonum facere <\/em>= \u201eGutes tun&#8220;). Zum Missions-Bischof (<em>Episcopus<\/em>) wurde er 722 geweiht, 747 wurde er Bischof von Mainz. Er wirkte in Bayern, Franken, Hessen, Th\u00fcringen und Friesland. 754 oder 755 wurde er auf dem Weg zu einem Tauffest westfriesischer Christen in Dokkum (NL) zusammen mit seinen 51 Begleitern von R\u00e4ubern und \/oder heidnischen Gegnern der Mission erschlagen. Er starb also in der Aus\u00fcbung seines Missionsdienstes als M\u00e4rtyrer (<em>Martyr<\/em>).<\/p>\n<p>Die bald nach seinem Tod einsetzende und lange Zeit regional begrenzte Verehrung als Heiliger (<em>Sanctus<\/em>) wurde 1855 im Jubil\u00e4umsjahr 1100 Jahre nach seinem Tod f\u00fcr die gesamte katholische Kirche von Papst Pius IX. genehmigt &#8211; zwei Jahre nach der Weihe dieser Kirche und 24 Jahre nach der Gr\u00fcndung der katholischen Gemeinde St. Bonifatius in Rhauderfehn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Juli ist tats\u00e4chlich nach Gaius Iulius Caesar benannt. Wie kam es dazu? 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