{"id":10724,"date":"2016-09-01T10:59:35","date_gmt":"2016-09-01T08:59:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gymnasium-rhauderfehn.de\/?p=10724"},"modified":"2016-09-01T15:50:35","modified_gmt":"2016-09-01T13:50:35","slug":"inscriptio-mensis-septembris-inschrift-des-monats-september","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gymnasium-rhauderfehn.de\/?p=10724","title":{"rendered":"Inscriptio Mensis Septembris &#8211; Inschrift des Monats September"},"content":{"rendered":"<p>Der Name September leitet sich von der lateinischen Zahl <em>septem <\/em>(= \u201esieben&#8220;) ab &#8211; durchaus merkw\u00fcrdig f\u00fcr den neunten Jahresmonat. Die Erkl\u00e4rung ist einfach: Urspr\u00fcnglich war der September der siebte Monat des r\u00f6mischen Jahres, das im M\u00e4rz begann und im Februar endete, ehe man 153 n. Chr. den Jahresbeginn auf den Januar verlegte. Aus dem siebten Monat wurde also der neunte &#8211; aber der Name blieb. \u00dcberraschenderweise ist es (selbst in Zeiten penibler B\u00fcrokratie&#8230;) nie zu einer \u00c4nderung dieses \u201eFehlers&#8220; gekommen.<\/p>\n<p>Die Inschrift des Monats findet man in Langholt am Eingangstor des Friedhofs:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gymnasium-rhauderfehn.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Mors-porta-vitae.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-10728 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.gymnasium-rhauderfehn.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Mors-porta-vitae-300x225.jpg\" alt=\"Mors porta vitae\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.gymnasium-rhauderfehn.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Mors-porta-vitae-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.gymnasium-rhauderfehn.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Mors-porta-vitae-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcbersetzt hei\u00dft dieser Spruch:<\/p>\n<blockquote><p>\u00a0\u201eDer Tod (ist) die T\u00fcr zum Leben.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Er ist auf verschiedenen Friedh\u00f6fen zu finden, meist als Inschrift auf Grabsteinen.<\/p>\n<p>Der Sinn dieser zun\u00e4chst paradox wirkenden Aussage erschlie\u00dft sich, wenn man ber\u00fccksichtigt, dass dem christlichen Glauben zufolge das irdische Leben mit dem Tod zwar aufh\u00f6rt, dass aber gleichzeitig f\u00fcr denjenigen, der im Glauben als Gottes Geschenk den stellvertretenden Opfertod seines Sohnes Jesus angenommen hat, das ewige Leben nach dem Tod beginnt.<\/p>\n<p>In diesem Sinne erweitert findet sich der Spruch auch im Epos <em>Paradise Lost<\/em> des englischen Dichters John Milton (1608-1974):<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAnd to the Faithful Death (is) the Gate to Life.&#8220; (Buch 12, Vers 571)<\/p><\/blockquote>\n<p>In der Bibel fasst Jesus selbst diese zentrale Botschaft des christlichen Glaubens im Johannesevangelium so zusammen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eGott liebte die Menschen so sehr, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Nun wird jeder, der sein Vertrauen auf den Sohn Gottes setzt, nicht zugrunde gehen, sondern ewig leben.&#8220; (Kapitel 3, Vers 16)<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit dem Leben (<em>vita<\/em>) ist in der Inschrift also das ewige Leben im Himmel gemeint. (Manchmal findet man daher den Spruch auch um ein erkl\u00e4rendes Wort erweitert: \u201eMors porta vitae <em>aeternae<\/em>. &#8211; Der Tod ist die T\u00fcr zum <em>ewigen<\/em> Leben.&#8220;) Damit wird aus dem auf den ersten Blick widersinnigen Satz eine Trostbotschaft, die in Langholt jedem Friedhofsbesucher sozusagen sichtbar zugsprochen wird: Der Tod ist nicht das Ende, sondern nur ein \u00dcber- oder Durchgang, eben eine T\u00fcr, zu einem neuen Leben, wo es laut Bibel kein Leid mehr geben wird:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eGott wird alle Tr\u00e4nen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben und keine Traurigkeit, keine Klage und keine Qu\u00e4lerei mehr.&#8220; (Offenbarung Kapitel 21, Vers 4)<\/p><\/blockquote>\n<p>Gleichzeitig erh\u00e4lt der Spruch auch in Bezug auf Jesus selbst einen Sinn, dessen stellvertretender Tod (<em>mors<\/em>) am Kreuz den Glaubenden die T\u00fcr zum ewigen Leben (<em>vita<\/em>) \u00f6ffnet. Auch Jesus macht mit Hilfe des Bildes von einer T\u00fcr diese Botschaft in einem Gleichnis deutlich (wieder im Johannesevangelium), in dem das Hineingehen durch die T\u00fcr f\u00fcr das Vertrauen auf Jesus steht:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch bin die T\u00fcr. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet.&#8220; (Kapitel 10, Vers 7)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass in Langholt der Spruch von der <em>T\u00fcr<\/em> oder dem <em>Tor<\/em> &#8211; das lateinische Wort <em>porta<\/em>, das wir im Deutschen in Lehnw\u00f6rtern wie \u201ePforte&#8220; oder \u201ePortal&#8220; wiederfinden, kann beides hei\u00dfen &#8211; zum Leben\u00a0 ausgerechnet auf einem echten Tor dargestellt wird, passt nat\u00fcrlich besonders gut und macht das sprachliche Bild ganz konkret sichtbar.<\/p>\n<p>Kurz zur Sprache: Wieder, wie schon bei einigen anderen Inschriften des Monats, findet sich hier eine Ellipse, indem zur K\u00fcrzung das <em>est<\/em> (bzw. \u201eist&#8220; in der \u00dcbersetzung) ausgelassen wurde.<\/p>\n<p>P.S.: Die \u00dcbersetzung \u201eDas Leben ist f\u00fcr\u00b4n Mors&#8220;, die mir auch schon augenzwinkernd angeboten wurde, ist &#8211; zum Gl\u00fcck &#8211; definitiv falsch&#8230;!<\/p>\n<p>[<em>P.S.<\/em>\u00a0stammt \u00a0auch aus dem Lateinischen, steht f\u00fcr <em>Post Scriptum<\/em> und hei\u00dft \u201enach dem Geschriebenen&#8220;. Damit kennzeichnet(e) man, dass man einem bereits unterschriebenen Brief noch etwas hinzugef\u00fcgt hat(te).]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Name September leitet sich von der lateinischen Zahl septem (= \u201esieben&#8220;) ab &#8211; durchaus merkw\u00fcrdig f\u00fcr den neunten Jahresmonat. 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