Europa als Lernort: Neue Impulse für das AWG

Helsinki, Trapani, Brüssel und Istanbul: Vier Lehrkräfte des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums nutzten im Sommer und Herbst 2026 Fortbildungen, um neue Unterrichtsideen zu entwickeln, europäische Kontakte zu knüpfen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Ihre Erfahrungen bereichern die Europaarbeit und die Schulentwicklung am AWG.

Helsinki: Lernen außerhalb des Klassenzimmers

Wie lassen sich außerschulische Lernorte sinnvoll in den Unterricht einbinden? Dieser Frage widmete sich Thorben Büssing im Juli bei der Erasmus+-Fortbildung „Learning Outside the Classroom in Finland“ in Helsinki. Neben Einblicken in das finnische Schulsystem bot die Woche Gelegenheit, verschiedene Methoden selbst auszuprobieren und sich mit Lehrkräften aus anderen Ländern auszutauschen.

Besonders beeindruckte ihn, wie selbstständig Schülerinnen und Schüler in Finnland lernen und wie gezielt diese Selbstständigkeit gefördert wird. Darin sieht er wertvolle Anregungen für die weitere Entwicklung unserer Schule. Sein Fazit: eine kurzweilige, hervorragend vorbereitete Woche mit vielen Ideen für die eigene Unterrichtspraxis.

Im Kurs in Helsinki

Trapani: Kulturelles Erbe, Identität und Nachhaltigkeit

Ebenfalls im Juli nahm Erasmus+-Koordinatorin Melanie Rolfes in Trapani auf Sizilien an der Fortbildung „Meeting Point Sicily: An Identity and Coexistence Case Study“ teil. Gemeinsam mit Lehrkräften aus Ungarn, Kroatien, der Slowakei, Spanien und Portugal beschäftigte sie sich mit kultureller Identität, gesellschaftlichem Wandel und Nachhaltigkeit.

Dabei wurden historische Orte und regionale Traditionen zu Ausgangspunkten gemeinsamen Lernens: Die antike Stätte Segesta, die Stadt Erice und eine ehemalige Thunfischfabrik auf Favignana eröffneten unterschiedliche Zugänge zur Geschichte der Region. Im Salzmuseum und auf der Insel Levanzo standen auch Fragen des Natur- und Kulturlandschaftsschutzes im Mittelpunkt. Eine Stadtrallye ohne digitale Navigationshilfen förderte Zusammenarbeit und Kommunikation; ein Kochworkshop erschloss Esskultur als Ausdruck regionaler Identität.

Entscheidend war die Verbindung der Erkundungen mit fachlicher Vorbereitung, konkreten Arbeitsaufträgen und gemeinsamer Reflexion. Diese Ansätze bieten Anregungen für den Unterricht und die Gestaltung künftiger Erasmus+-Projekte. Aus dem internationalen Austausch entstand zudem eine konkrete Kooperation mit einer Schule in Zagreb, die Perspektiven für weitere gemeinsame Aktivitäten eröffnet.

Die antike Stätte Segesta als Beispiel eröffnete einen Zugang zur Geschichte der Region.

Brüssel: Europa hautnah erleben

Vom 27. bis 29. September besuchte Sandra Thöress die NLQ-Fortbildung für Europaschulen „Europa hautnah erleben“ in Brüssel.

Besuche der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments ermöglichten unmittelbare Einblicke in die Arbeit der EU. Gespräche und Vorträge in der Niedersächsischen Landesvertretung griffen unter anderem Bildungs- und Sicherheitsfragen sowie den politischen Arbeitsalltag vor Ort auf. Eine Stadtführung und der Besuch des Hauses der Europäischen Geschichte ergänzten das Programm.

Auch der Austausch mit anderen Europaschulen kam nicht zu kurz: Wie gestalten sie ihre Europaarbeit, und welche Möglichkeiten von Erasmus+ nutzen sie? Für Sandra Thöress war die Fortbildung ein spannendes Erlebnis, das politische Zusammenhänge anschaulich machte und neue Anregungen für den Politikunterricht und die schulische Europabildung bot.

      

Zusammen mit weiteren niedersächsischen Lehrkräften erkundete Frau Thöress die Institutionen der EU in Brüssel.

Istanbul: Kulturelle Vielfalt als Lernanlass

In den Herbstferien reiste Katrin Marinesse im Rahmen von Erasmus+ zur Fortbildung „The Cultural Heritage of Istanbul“. Im Mittelpunkt standen die Geschichte der Stadt, das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen sowie die Bedeutung kulturellen Erbes für die Gegenwart.

Zu den Lernorten gehörten unter anderem die Blaue Moschee, die Hagia Sophia, der Topkapı-Palast, die Süleymaniye-Moschee und die Chora-Kirche. Erkundungen verschiedener Stadtviertel verdeutlichten außerdem, wie eng Tradition, gesellschaftlicher Wandel und modernes Stadtleben miteinander verbunden sind.

Neben den fachlichen Inhalten lernte Katrin Marinesse digitale und praxisorientierte Methoden kennen. Insbesondere Erkundungsaufgaben und die Betrachtung historischer Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven bieten Anknüpfungspunkte für einen fächerübergreifenden Unterricht. Der Austausch mit internationalen Kolleginnen und Kollegen ergänzte die Erfahrungen vor Ort.

Arbeiten in international gemischten Gruppen sorgt für guten Austausch über Europabildung.

 

Erfahrungen, die unsere Schule weiterbringen

Die vier Fortbildungen zeigen, wie vielfältig europäisches Lernen sein kann. Sie eröffnen neue Zugänge zu Unterricht, kultureller Vielfalt und politischer Bildung. Zugleich knüpfen sie an zentrale Ziele unserer schulischen Europaarbeit an: internationale Kontakte pflegen, Unterricht öffnen und nachhaltiges sowie selbstständiges Lernen fördern.

Die Fortbildungen in Helsinki, Trapani und Istanbul wurden im Rahmen unserer Erasmus+-Akkreditierung durch die Europäische Union gefördert. Gemeinsam mit der NLQ-Fortbildung in Brüssel liefern sie Impulse, um Europa im Unterricht und im Schulleben des AWG weiter erlebbar zu machen.