Mein Auslandsaufenthalt mit Erasmus+ an der IES Rascanya (Valencia, Spanien)
Ich bin dieses Jahr von Oktober bis Mitte Januar mit Erasmus+ nach Valencia in Spanien gereist. Dort habe ich als Schülerin die IES Rascanya besucht. Um ehrlich zu sein, wusste ich nicht ganz, was mich in dieser Zeit in Spanien erwarten würde. Spanien konnte ich mir sehr gut im Sommer vorstellen, aber ich hatte nie eine richtige Vorstellung von Spanien im Herbst oder Winter. Man kann so viel googeln, wie man will, man muss einfach hinfahren und selbst es erleben. Das war im Endeffekt das, was mir am meisten Spaß gemacht hat. Jeder Mensch hat seine Abläufe oder Dinge, die selbstverständlich sind, also war auch der Kulturschock da. Ich konnte ganz viel mitnehmen und Neues kennenlernen, in der Gastfamilie sowie auch in der Schule oder generell in meinem Alltag.
Ich fühle mich super wohl in meiner Gastfamilie. Wir unternehmen viel, und ich durfte auch den Rest der Familie kennenlernen. Wir verreisen manchmal an längeren Wochenenden in das Dorf, in dem meine Gasteltern aufgewachsen sind. Es heißt Altura, dort hat man eine schöne Aussicht auf die Berge oder auf unvergessliche Sonnenuntergänge. Es ist eine Abwechslung vom Stadtleben. Meine Gastfamilie hat sich stets darum gekümmert, mir die ganzen traditionellen Gerichte zu zeigen, von Tortilla Española und Croquetas über Paella und Pan con Tomate bis hin zu Churros und Turrón. Meine Gastfamilie hat mir eine ihrer Familientraditionen gezeigt, und zwar Paella jeden Sonntag zum Mittagessen, mit der ganzen Familie, also Abuelos, Tíos und Primos, sodass wir am Tisch genug verschiedene Meinungen haben, um darüber zu diskutieren, ob Tortillas mit oder ohne Zwiebeln zubereitet werden. Die Essenszeiten waren eine große Umstellung: um 11 Uhr frühstücken, um 15 Uhr Mittagessen und um 22 Uhr Abendessen, obwohl ich in Deutschland mein Abendbrot spätestens um 18 Uhr aß. Nach dem Abendessen gibt es immer die Frage „Frutas?“ und dann gibt es Mandarinen, Kiwi, Mango oder andere Früchte.
Ich brauchte etwas Zeit, um mich an den Schultag in Spanien zu gewöhnen. Die Schule beginnt später und endet auch später. Das Erste, was mir aufgefallen ist, war, dass die Schülerinnen und Schüler die Lehrkräfte mit dem Vornamen ansprechen und kein förmliches Siezen verwendet wird, sondern geduzt wird. In Spanien gilt das Siezen nicht als respektvoller Umgang, sondern wird eher für ältere Menschen verwendet. Der Unterricht dauert 55 Minuten, und es gibt keine fünf Minuten Pausen und nur eine große Pause. Die Schülerinnen und Schüler melden sich nicht, um drangenommen zu werden, sondern rufen ihre Antworten einfach hinein. Außerdem bekommen die Schülerinnen und Schüler hier keine Noten von 1 bis 6, sondern Punkte von 1 bis 10. Ein sehr großer Teil der Schüler arbeitet mit kariertem Papier, was ich mir sehr schnell angewöhnt habe. In meiner Klasse wurde ich sehr warmherzig von meinen Mitschülerinnen und Mitschülern aufgenommen. Ich habe schnell Freunde gefunden und auch mein Lieblingsessen aus der Cafeteria, und zwar Panini con bravas.
In meinem Alltag sind mir auch viele Dinge aufgefallen, wie zum Beispiel, dass der Tag spät anfängt und die Geschäfte auch spät schließen und man trotzdem viele glückliche, lächelnde Menschen am späten Abend unter der Woche sieht. Sonntage sind nicht ganz anders als die anderen Wochentage, die meisten Geschäfte sind auf und viele Menschen sind in der Stadt. In Restaurants ist Trinkgeld nicht üblich, was mich sehr gewundert hat. Für Spanier sind rote Ampeln kein Hindernis. Während meine Freunde schon die dritte rote Ampel überquert haben, stehe ich noch bei der ersten und warte, bis sie grün wird. Eine Sache, die ich in Spanien kennenlernen durfte und auch weiterhin in meinem Alltag beibehalten werde, ist Siesta, in der Mitte des Tages ein paar Stunden zu schlafen, bevor man seine Tätigkeiten beginnt.
In Valencia erkennt man, ob es Weihnachten ist. Die ganzen Dekorationen, Lichter und Feuerwerke sind nicht zu übersehen. Typisch auf der Straße wird meist gebratener Mais oder Churros mit ganz viel Schokosoße verkauft. Der große Weihnachtsbaum, an dem ich nie einfach so vorbeilaufen kann, ohne ihn erst einmal für fünf Minuten zu bewundern. In der Weihnachtszeit wird gerne Turrón vernascht, das ist eine traditionelle spanische Süßigkeit aus Mandeln, Zucker und Honig. An ganz vielen Stellen findet man auch die Belénes, also die Darstellung der Geburt Jesu mit Figuren wie Maria, Josef und Hirten. Die Belénes sind eine wichtige Tradition. Am 24. Dezember gibt es ein großes Familienessen mit ganz leckeren Meeresfrüchten und Lamm oder Truthahn. Der 24. bis zum 25. sind zwei Tage, an denen wir nur unter Familie sind und das Essen uns verbindet. Der wichtigste Tag für Geschenke ist der sechste Januar, an dem die eigentlichen Geschenke geöffnet werden. Am fünften Januar ist der große Umzug mit Musik und Süßigkeiten der drei Könige. Die drei Könige sind aus der Bibel, die dem Jesuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe brachten. Und statt des Weihnachtsmannes bringen die drei Könige die Geschenke.
Ich bin sehr froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe. Die Reise nach Spanien mit Erasmus+ ist ein Schritt in die persönliche Freiheit. Diese Erfahrung hat mir geholfen, fest daran zu glauben, dass ich alles erreichen kann, was ich mir vornehme, und dass Aufgeben keine Option sein sollte, solange ich mutig bin. Die vielen Gründe, etwas nicht zu tun, sollten niemals mächtiger sein als der eine, es zu tun. Das neu gewonnene Selbstvertrauen und die Erfahrungen werden mich auf meinem weiteren Lebensweg begleiten. Ich werde mich für immer daran erinnern, wie ich mit meiner Gastschwester an Sommerabenden an Cafés saß und Horchata aß, nach unserer Ausbeute aus dem großen Ruzafa Flohmarkt. Oder daran, wie wir gemeinsam den Sonnenuntergang in Altura beobachteten. Diese zwischenmenschliche Wärme durfte ich erleben; sie hat mir nicht nur den Einstieg erleichtert, sondern mir auch gezeigt, wie viel ein positives Miteinander im Alltag bewirken kann. Das Beste an meinem Aufenthalt in Valencia waren die Menschen, die ich kennenlernen durfte. Ich habe Freundschaften geschlossen, die weit über die Zeit des Auslandsaufenthaltes hinausgehen. Diese Begegnungen haben mein Leben bereichert und meine Sicht auf die Welt erweitert. Rückblickend war für mich jeder Tag eine wertvolle Erfahrung, und die Zeit dort ist viel zu schnell vergangen. Ich habe so viele schöne Erinnerungen, und ich möchte das Versprechen meiner Gastfamilie unbedingt einhalten und bald wieder dorthin zurückfliegen.
Diese Zeit in Spanien war sehr wertvoll, und ich kann es jedem weiterempfehlen!
Rumet Kuruay, Jg. 11
Auch auf Instagram erzählt Rumet von ihren Erlebnissen:
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